Sind dir Kontrolle und Sicherheit besonders wichtig?
Sind dir Kontrolle und Sicherheit besonders wichtig?

Hast du gerne alles gut „im Griff“?

Sind dir Kontrolle und Sicherheit besonders wichtig? 

Falls ja, dann könnte es für dich hilfreich sein, dich um deine Ängste zu kümmern, die hinter diesem Verhalten stecken könnten. Sicherheit ist zwar ein wichtiges Grundbedürfnis. Wenn es jedoch zu dominant wird, hemmt es unser Leben. Denn je größer unsere unterschwelligen Ängste sind, desto mehr versuchen wir im Außen Sicherheit herzustellen. Das ist sehr anstrengen und bietet auf Dauer keinen wirklichen Halt. Es ist lediglich eine Scheinsicherheit und wirkt sich negativ auf unseren Mut-Level und unser Beziehungsverhalten aus.

Kontrolle gibt Sicherheit

So versuchte Gabi aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus, alles in ihrem Umfeld zu kontrollieren. Sie war auch eine Meisterin der Selbstdisziplin geworden. „Ich muss alles im Griff haben“, lautete ihr Credo. „Auf keinen Fall die Kontrolle verlieren.“ Nur so fühlte sie sich wohl. Sie liebte Ordnung und Disziplin. Jedoch in Beziehungsfragen kam sie damit immer öfter an ihre Grenzen. Andere fühlten sich von ihr kontrolliert und eingeengt. Gabi ließ nur Männer an sich heran, wenn sie selbst Nähe und Distanz kontrollieren und regulieren konnte. Anfangs ließen sich Männer noch auf sie ein, denn sie sah gut aus und war intelligent. Aber je länger das Kennenlernen dauerte, desto mehr fühlten sich die Männer kontrolliert und verabschiedeten sich einer nach dem anderen wieder.

Menschen, die alles im Griff haben wollen befürchten, die Kontrolle zu verlieren und sich ausgeliefert zu fühlen, wenn sie nicht alles bestimmen können. Ihre innere Unsicherheit treibt sie vermehrt dazu, ihr gesamtes Umfeld zu dominieren. Sie haben Angst vor Unordnung, auch vor ihrer inneren Unordnung. Sie vermeiden es, sich ihren eigenen verletzten, unperfekten und chaotischen Anteilen stellen zu müssen. Durch strikte Regeln, Selbstdisziplin oder geordnete Abläufe versuchen sie, diese Angst unter Kontrolle zu halten. Sie kontrollieren Umstände, Familienmitglieder oder Partner. Prof. Dr. Gerald Hüther meint dazu, dass es destruktiv für die Entwicklung eines Menschen sei, alles im Griff haben zu wollen, denn so können wir keine neuen Erfahrungen sammeln. Freilich wünscht sich der Mensch eine gewisse Sicherheit. Aber wer alles im Griff haben will, wird irgendwann aus der Bahn geworfen, sei es, dass er in unkontrollierbare Konflikte gerät oder den Veränderungen an seinem Arbeitsplatz nicht mehr gewachsen ist, oder dass Menschen in seinem Umfeld sich von ihm abwenden und ihn meiden, weil sie sich eingeengt und kontrolliert fühlen. Zudem bleibt die Lebensfreude auf der Strecke.

Komfortzone verlassen

Nach Kontrolle strebende Menschen wagen sich kaum aufs Glatteis von Unvorhersehbarem. Aber so bleiben sie im Bisherigen stecken und sabotieren sich in ihrer persönlichen Weiterentwicklung. Sie gehen kaum Risiken ein, können an Herausforderungen nicht wachsen oder bei Fehlern um Verzeihung bitten. Sie lassen den Menschen in ihrem Umfeld kaum Luft zum Atmen. Oft paart sich die Kontrolle noch mit Perfektionismus. Ein solcher Glaubenssatz könnte wie bei Gabi lauten: „Nur wenn ich alles perfekt mache und im Griff habe, dann bin ich sicher und werde nicht abgelehnt.“

Lerne immer öfters, deine Komfortzone der „Kontrolle“ zu verlassen, und lass dich vermehrt auf Veränderungen ein. Gerade auch in der christlichen Partnersuche. Vielleicht werden sich dann vermehrt Ängste melden. Und das ist gut. Denn dann kommst du in Berührung mit dem, was dahintersteckt und dich allenfalls früh veranlasst hat, dieses Muster zu übernehmen. Schau da genauer hin.

Das Kind in dir meldet sich

Oft ist da noch das kleine Mädchen bzw. der kleine Junge in dir der sich früher unsicher fühlte und unbewusst eine Schutzstrategie entwickelt musstest, um in der Herkunftsfamilie emotional über die Runden zu kommen. Dieses Kind hatte damals Unglaubliches geleistet. Es musste sich allenfalls anpassen, verstellen und sich Liebe verdienen durch Anpassung und Leistung. Nur so hatte es das Gefühl dazu zu gehören, wahrgenommen zu werden und sicher zu sein. Dieses Kind mit seiner verinnerlichten Strategie der Kontrolle, beherrscht auch heute noch den Erwachsenen. Und sobald erneut ähnliche Unsicherheiten auftauchen, reagiert es mit Angst, Wut oder Ohnmacht.

Bühne des Bewusstseins

Beziehungen sind oft wie Bühnen, auf der sich zwei bedürftige, verletzte Kinder in erwachsenen Körpern begegnen. Beide bringen ihre „Überlebensstrategien“ mit in die Beziehung. Beide erwarten, dass der andere sie glücklich macht und sich so verhält, wie es der eigenen unbewussten Überlebens-Strategie entspricht. Das wird nicht funktionieren. Je besser du dich selber kennenlernst und je mehr du dir deiner unbewussten Überlebensstrategien bewusst wirst, desto eher kannst du aussteigen und neue Verhaltensmuster trainieren.

Öffne dich dem Gedanken, dass du bisher unbewusst deine Lebenswirklichkeit mitgestaltet hast. Mach dir bewusst, wo und wann du dein Muster „alles im Griff haben müssen“ etabliert hast und nach wie vor glaubst. Und dann entscheide dich für neue Gedanken, die dich unterstützen, ermutigen, freisetzen um dich deinen Herzenszielen näher zu bringen.

Jesus ermutigt uns, uns der Wahrheit zu stellen, auch unserer eigenen Wahrheit. „Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Joh. 8. 31-32) Wenn wir uns jedoch zurückziehen, im alten sitzen bleiben, nicht hinschauen wollen und Entwicklungsschritte vermeiden, dann werden wir mehr von dem bisherigen ernten, was wir mit dem Kontrollstreben unbewusst gesät haben. Jesus hat uns mit seinem Geist auch einen Tröster zur Seite gestellt. (Joh. 15.26) Der Geist des Trostes wird uns in die Wahrheit führen. Vertraue ihm, dass er dich allenfalls nochmals an früher erlebte Situationen von Mangel, Minderwert, Missbraucht oder Vernachlässigung heranführt. Er will dir darin begegnen, dich heilen und trösten. So kannst du dich mit dir selber und deiner Geschichte aussöhnen und innere Sicherheit aufbauen. Damit kommt mehr Freiheit in dein Leben und du kannst öfters die Kontrolle loslassen und aus alten Schutz- und Überlebensstrategien aussteigen.

Autor Christoph Hickert
Autor Christoph Hickert

Autor

Christoph Hickert ist Dipl. Coach & Supervisor BSO und psychologischer Berater in eigener Beratungs-Praxis in Männedorf (Schweiz).
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