
Der Mann, der die halbe Bibel geprägt hat, war Single. Nicht vorübergehend, sondern als Lebensform – und er beschreibt sie nicht als Mangel, sondern als Möglichkeit.
Das ist bemerkenswert in einer Zeit, in der Heiraten kein Wunsch war, sondern eine Selbstverständlichkeit.
Der wichtigste Text steht im ersten Korintherbrief. Paulus antwortet dort auf Fragen einer Gemeinde, und er tut es erstaunlich nüchtern: Wer heiraten will, soll heiraten, und tut damit gut. Wer unverheiratet bleiben kann, tut damit ebenfalls gut.
„Ich wünschte zwar, alle Menschen wären, wie ich bin; aber jeder hat seine eigene Gabe von Gott, der eine so, der andere so.“
1. Korinther 7,7
Der Schlüssel liegt im zweiten Halbsatz. Paulus stellt keine Rangordnung auf, sondern zwei Wege nebeneinander – und beide bezeichnet er als Gabe.
Seine Begründung ist praktisch, nicht mystisch: Wer ungebunden ist, hat weniger geteilte Aufmerksamkeit. Er kann reisen, bleiben, riskieren, ohne dass eine Familie die Folgen trägt. Für Paulus, der mehrfach im Gefängnis sass und quer durch das Mittelmeer unterwegs war, war das keine Theorie.
Das lässt sich übertragen. Als Single kannst du dich Dingen widmen, die mit Familie schwer möglich wären: einem Engagement, das Zeit frisst, einer Ausbildung, einem Ortswechsel, einem Menschen in einer Krise. Wie sich diese Zeit füllen lässt, ohne sie nur zu überbrücken, steht in Die Wartezeit als Single sinnvoll gestalten.
Aus „Gabe“ wird in manchen Kreisen eine Zuschreibung: Wer lange Single ist, habe eben die Gabe der Ehelosigkeit – ob er will oder nicht. Damit wird ein Trost zur Etikette, und die Sehnsucht nach Partnerschaft wird zum Widerstand gegen Gottes Plan erklärt.
Das steht so nicht im Text. Paulus redet von einer freien Wahl, nicht von einem verhängten Zustand. Und im selben Kapitel schreibt er unmissverständlich, dass heiraten für die meisten der bessere Weg ist. Wer sich nach Partnerschaft sehnt, tut damit nichts Falsches – siehe auch Bleiben Christen länger Singles?.
Dann bist du in bester Gesellschaft. Paulus selbst schreibt, dass nicht jeder ehelos leben kann, und er wertet das nicht ab. Die Sehnsucht nach einem Menschen an deiner Seite ist keine Schwäche im Glauben, sondern eine normale menschliche Regung – dieselbe, die im ersten Kapitel der Bibel den Satz auslöst, dass es nicht gut sei, dass der Mensch allein ist.
Praktisch heißt das: Du darfst suchen, ohne dich dafür zu rechtfertigen. Und du darfst gleichzeitig ein Leben führen, das nicht auf die Ankunft eines anderen wartet.
Ein zweites Missverständnis: Paulus als Einzelgänger. Seine Briefe zeigen das Gegenteil. Sie enden regelmäßig mit langen Namenslisten – Menschen, die er beim Namen kennt, denen er verbunden ist, bei denen er wohnt.
Er reist selten allein, er arbeitet im Team, er streitet sich sogar mit seinen Mitarbeitern. Ehelos heißt bei ihm nicht beziehungslos. Wer ohne Partner lebt, braucht dieses Netz umso mehr: Menschen, die wissen, wie es dir geht, und bei denen du ohne Anlass am Tisch sitzen darfst.
Drei Dinge, die im Bestand des Ratgebers immer wieder auftauchen und hier ihren Ursprung haben:
Paulus nimmt der Frage die Dramatik. Er kennt keine zweitklassigen Christen, sondern zwei Wege mit je eigenen Möglichkeiten und Lasten. Wer heute Single ist und es nicht bleiben möchte, darf sich sehnen und suchen. Und wer Single bleibt, lebt keine Notlösung, sondern eine Form, die in der Bibel ihre stärksten Fürsprecher hat.
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